Verschwitzte Hände sind, wenn es den Betroffenen extrem trifft, eine üble Sache. Bei besonders starkem Handschweiß kann dies sogar soweit gehen, dass ein Dermatologe eine Krankheit diagnostiziert; die Palmare Hyperhidrose (med. Hyperhidrosis palmaris).
Auf Grund der immensen Schweißmengen, welche schwitzige Hände abzusondern in der Lage sind (siehe Video), entwickeln "Handschwitzer" nicht selten eine panische Angst vor Situationen, in denen Sie anderen Menschen die Hand geben müssen (z.B. Feierlichkeiten, Vorstellungsgespräche, Geschäftliche Besprechungen).
Der "Schweißhand-Betroffene" gerät oft in einen Teufelskreis, der wie folgt aussehen kann:
Das Video zeigt extremes Handschwitzen wobei es sogar zu abtropfender Schweißbildung kommt
Diesen Teufelskreis zu durchbrechen sollte immer das primäre Ziel einer jeden Handschweiß-Behandlung sein!
Schon mit der ersten Reduktion des Schwitzens und dem damit verbundenen Gefühl, doch etwas dagegen tun zu können, kommt es zu einer positiven Entspannung. Das Stressgefühl und die Panik-Attacken werden unmittelbar und spürbar reduziert. Der Teufelskreis wird unterbrochen, was bereits zu einer Reduktion des Schwitzens an den Händen führen kann.
Alle Hausmitteln richten sich an Personen, die unter eher leichtem Schwitzen der Hände leiden. Starker oder gar extremer Handschweiß werden sich durch Hausmittel erfahrungsgemäß nicht merklich reduzieren lassen!
Als erster Lösungsansatz gegen verschwitzte Hände werden zumeist Antitranspirants empfohlen. Diese können, unter Zuhilfenahme des Wirkstoffs Aluminiumchlorid-Hexahydrat, das Schwitzen auf ein natürliches Mass reduzieren. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass das verwendete Antitranspirant eine deutlich höhere AlCl-Konzentration als 20% beinhalten sollte. Meist empfiehlt sich die Verwendung eines 30% Antitranspirants. Dieser Prozentwert stellt zugleich die Spitze der derzeit möglichen Sättigung an Aluminiumchlorid dar.
Normal dosierte Antiperspirants enthalten zwar ebenfalls Aluminium-Chloride, sind jedoch eher selten mit mehr als 15% der für die Schweißminderung notwendigen Aluminiumsalze versetzt. Dieser geringe Prozentsatz reicht für die Behandlung starken Handschwitzens meist nicht aus.
Der höhere Preis eines hoch dosierten Antitranspirants relativiert sich spürbar, legt man zu Grunde, dass bereits 50ml oftmals für ein ganzes ein Jahr ausreichen! Dazu spart man sich die Kosten teurer Gerätschaften oder gar einer Botulinum-Toxin-Injektion.
Nachteile von Antitranspirantien sind ein prickelndes Gefühl, wenn der Schweiß versusacht durch den verpropfte Ausgangskanal der Schweißdrüse nach aussen zu dringen, sowie ein trockenes Hautgefühl. Gegen zu trockene oder gar rissige Haut eignen sich spezielle Antitranspirante mit pflegenden Zusatzstoffen wie Salbei, Bartflechte und Nelkenblüte.
Als zweite Stufe der Behandlung schwitzender Hände wird meist die Leitungswasser-Iontophorese (med. Iontopherese) genannt. Dies ist eine Therapie, bei der die Hände in einem Wasserbad liegend (per medizinischem Gerät) einem regelbaren Gleichstrom ausgesetzt werden. Dabei kann die Schweißbildung im besten Fall auf ein natürliches Niveau reduziert werden. Die Wirkung setzt im positiven Fall nach 10 bis 30 Anwendungen ein.
Geeignete Iontophorese-Geräte kosten zwischen 300 und 700 Euro, wobei die Kosten nach ärztlicher Diagnose einer Hyperhidrose und einer nachfolgenden Prüfung des Einzelfalls durch die Krankenkasse, ganz bzw. in Teilen übernommen werden können.
Nachteile der Leitungswasser-Iontophorese sind Reizungen der Hände (insbesondere am Nagelbett oder an minimalen Verletzungen (Kratzern)) sowie aufgesprungene und rissige Haut. Hier kann es zu einem unangenehmen Hautgefühl, und ebenfalls zu schmerzhaften "Nadelstichen" während der Anwendung kommen.
In solchen Fällen hilft nur ständiges Eincremen der Hände mit einer fetthaltigen Handcreme oder die Reduktion der Stromstärke, was sich jedoch negativ auf die Wirkung auswirkt und diese verzögert.
Eine eher unangenehme Prozedur ist das ambulante Spritzen von Botulinum-Toxin (starkes Gift) in die Handinnenflächen. Hier wird die Hand auf Grund der zu erwartenden Schmerzen zuerst lokal sediert (sog. "Blocken der Hand" durch Injektion eines Narkotikums in der Nähe der Pulsschlagader). Je nach Größe der Handinnenflächen sind bis zu 40 bis 50 Injektionen pro Hand erforderlich.
Die Wirkung hält in der Regel 6 bis 9 Monate lang an, bevor erneute Injektionen mit Botulinum-Toxin erforderlich wird.
Nachteil einer Behandlung mit Botulinum-Toxin: Die Kosten liegen pro Behandlung um die 500 Euro, wobei die Kosten nach ärztlicher Diagnose einer Hyperhidrose und einer nachfolgenden Prüfung des Einzelfalls durch die Krankenkasse ganz oder in Teilen übernommen werden können.
Hier gibt es zwei Möglichkeiten: eine CT-gestützte lumbale Sympathikolyse (Betäubung per Injektion in das Ganglion des Sympathikusgrenzstranges innerhalb der Wirbelsäule) sowie als "Ultima Ratio" die chirurgische Durchtrennung des entsprechenden Nervs (Sympathektomie).
Dieser Eingriff wird jedoch aufgrund des Risikos der sexuellen Dysfunktion sowie Erektionsstörungen nur noch selten durchgeführt.
Da die genannten operativen Eingriffe kompliziert und nicht ohne Risiko sind kann eine detaillierte Betrachtung dieser Therapieformen nicht an dieser Stelle sondern nur durch einen darauf spezialisierten Mediziner erfolgen!
Bei der Behandlung schwitzender Hände sollten die angebotenen Therapieformen der Reihe nach und zumindest ab der Iontophorese erst nach vorheriger Absprache mit einem Dermatologen durchgeführt werden. Dies dient Ihrer Sicherheit und kann Ihnen (bei Kostenübernahme der teuren Therapieformen durch die Krankenkasse) einiges an Geld sparen.
Der Vollständigkeit halber muss als Nebenwirkung bei allen erfolgreich angewandten Therapieformen noch das Phänomen des "Phantomschwitzens" genannt werden. Es handelt sich dabei um das Gefühl zu schwitzen, ohne das in Wirklichkeit eine für andere sichtbare Schweißabsonderung stattfindet. Die vom Phantomschwitzen Betroffenen überprüft aus dem Gefühl noch immer zu schwitzen heraus ständig, ob noch immer ein vermehrter Schweißaustritt stattfindet.
Aus diesem Phänomen wird ersichtlich, wie stark die Angst vor dem Schwitzen und einer damit verbundenen Blamage in den Köpfen der Betroffenen verankert ist!
Das Gehirn erwartet noch immer den als peinlich empfundenen Schweiß und muss erst noch lernen, dass diese Gefahr nicht mehr im ursprünglichen Mass besteht.
Die Angst vor sichtbarem Schwitzen ist, bildlich gesprochen, in das Denkschema "eingebrannt" und muss erst noch "gelöscht" werden! Dieser Prozess dauert in der Regel einige Tag bis Wochen. Die wenigsten Hautärzte kennen dieses Phänomen und verstehen deshalb auch nicht, welchen sozialen Belastungen Vielschwitzer ausgesetzt sein können.